Ich presse Regenbogen

23:18

Ich habe es geschafft. Ich habe das Ziel erreicht, von dem Papa immer träumte UND ich habe es vor ihm geschafft. Ich, Jule Sophie Beinhauer, angehende Moderatorin von Germany’s Next Top Model, Supermodel myself, Partyluder sowie angehende Nobelpreisträgerin war heute in der Bildzeitung. Jawoll, zwar nicht auf Seite 1 sondern auf Seite 5, aber immerhin. Natürlich habe ich all mein Wissen bezüglich Pressearbeit in die Waagschale geworfen und nicht wie die breite Masse in die Kamera geglotzt. Der geneigte Leser erkennt natürlich auch meine stille Protesthaltung, geht mir doch der Streik am Popo vorbei, da ich in einer privaten Krippe bin, die eigentlich nichts mit dem ganzen Streik zu tun hat. Aber die Rainbow-Press läßt sich halt alles Mögliche einfallen, um an die begehrten Bilder von mir zu kommen.
Wenn Du auf das Bild klickst, Opa, dann kannst Du den ganzen Artikel lesen. Und ihr müsst nicht beim Jugendamt anrufen, der Fotograf hatte drauf bestanden, dass wir böse und wütend in die Kamera schauen…

Die Kandidaten für Germany's Next Top Model

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Nicht kleckern, klotzen…

23:18

Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass es bis heute keinen einzigen weiblichen Nobelpreisträger im Bereich der Wirtschaftswissenschaften gibt. Da ich bekannterweise eine Freundin hochgesteckter Ziele bin, habe ich heute eine wichtige Entscheidung getroffen: Ich habe meinen täglich wechselnden Plan im Sommer entweder zu Mama in die Schule oder zu Lilli, Helena und Antoine in den Kindergarten zu gehen, über Bord geworfen. So lange kann ich nicht mehr warten. Ich habe mich von Papa in der Krippe abholen lassen und habe sofort mein Studium aufgenommen. Zuerst habe ich mich in Papas Büro auf meine erste Vorlesung vorbereitet. Danach ging es dann auf in den riesigen Hörsaal. Um gleich das Nobelpreis-Komitee auf mich aufmerksam zu machen, habe ich mich natürlich eifrig zu Wort gemeldet.

Komilitonin Jule

Auch an die Tafel bin ich gegangen. Hier erkläre ich gerade die Theorie der vollkommen unelastischen Nachfrage.

Mitarbeit ist alles

Ich glaube studieren gefällt mir, insbesondere weil wir neben Wirtschaftstheorie auch Verstecken und Fangen spielen zwischen den Sitzreihen gelernt haben. Zum Abschluss hat der Professor noch eine lehrreiche Episode von meiner Lieblingsserie “Lauras Stern” auf die große Leinwand projiziert. Das war großes Kino – auch wenn ich da noch nie war. Und als Mama mich abgeholt hat, sind wir noch auf den tollen Spielplatz hinter der HTW gegangen. Da ist ein Turm, von dem kann man fast bis nach Schweden schauen. Aber ich habe noch keinen Nobelpreis-Boten sehen können. Kann aber nicht mehr lange dauern…

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Aller guten Dinge sind drei!

23:07

…und gut ist jeder Geburtstag, wenn er folgende Vorraussetzungen bietet: Es gibt einen Smarties-Kuchen, es gibt Geschenke und es gibt Besuch. Ich hatte alle drei Dinge zusammen, so wie es sich zum dritten Geburtstag gehört. Seit Wochen habe ich meinen Eltern erzählt, dass ich mir einen Kaufmannsladen wünsche. Und wisst ihr was, meine sugestive Kunst war von Erfolg gekrönt. Ich habe einen bekommen – inklusive Kasse, Einkaufswagen und allem was dazu gehört. Endlich muss ich nicht mehr meinen halblegalen Verkaufsstand am Rande vom Kaminsims oder draussen in meiner Hütte betreiben, sondern bin eine angesehene Kauffrau. Vormittags habe ich mit Mami und Papa gefeiert, nachmittags kam dann die Mischpoke, wie Papa sie immer nennt, wenn sie nicht da sind. Da gab es dann ein Fest für mich mit Kuchen und Grillen. Am Mittwoch habe ich dann zu meiner ersten eigenen Party eingeladen. 6 Freunde aus meiner Krippe und Nachbarschaft durfte ich einladen. Schwere Auswahl für ein Partyluder wie mich. Aber ich hatte getrickst, indem ich Frieda und Nele einfach zum Familienfest ausgelagert hatte. Wenn es nach mir geht, könnte jeder Tag im Jahr Geburtstag sein oder Ostern oder Weihnachten…

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Drehmoment

11:31

Vom Bauch auf den Rücken konnte ich mich schon seit längerem drehen. Diese Bewegungsfolge gilt zwar in Fach- und Säuglingskreisen als die schwerere, aber sorry, bevor ich die ganze Zeit in der anstrengenden und von mir nicht präferierten Bauchlage liege, drehe ich mich doch lieber kurz mal auf den Rücken. Seit dem heutigen Moment beherrsche ich aber auch die gegenläufige Bewegung vom Rücken auf den Bauch. Dies erübrigt mir ungeahnte Möglichkeiten das Oberste zu unterst und das Unterste zu oberst zu drehen.

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Das Ei der Julumbus…

20:01

…und nicht nur eins, sondern ganz viele hat der Osterhase Jaron und mir gebracht. Seit fast schon zwei Wochen fiebere ich dem Osterfest  entgegen. Dann kam er: erst der Opa und dann der Osterhase (beide haben übrigens große Ohren – ob da ein Zusammenhang besteht?).
Wie ein Luchs habe ich aufgepasst und den Garten bezüglich Anzeichen eines Hoppelns von Meister Lampe überwacht. Hätte Mami mich nicht aus meiner Konzentration gerissen und mich kurz zum Anziehen und Windel wechseln mit nach oben genommen, dann hätte ich ihn auch gesehen, aber so hat Mami es verbockt. Als ich runter kam, war er bereits da gewesen…
Da ich noch mit Abstand schneller als Jaron bin, haben wir das Ostereiersuchen im Sinne der komparativen Kostenvorteile aufgeteilt: Jaron hat süß ausgesehen und ich habe gesammelt was mein kleines Körbchen so hergibt. Das beste Geschenk, war ein Besen! Jetzt kann ich endlich zusammen mit Mami die Straße kehren.
Auch im Vorfeld war ich bereits aktiv. Ich habe in der Krippe Eier bemalt, am Baum vor unserem Haus Eier aufgehangen und zusammen mit Papa Eier gefärbt und beklebt.
Nachmittags kamen die Enkenbach-Alsenborner noch dazu und es gab Kuchen und noch mehr Schokoeier. Ich glaube ich habe meinen persönlichen Rekord überboten. Falls Du es noch nicht selber weisst: Der schönste Ort um Ostereier zu Essen ist auf der Treppe. Man zieht einen Erwachsenen an der Hand aus dem Raum und schwört ihn ein, dass dies ein Geheimnis ist und er keinem was sagen darf. Dann macht man ein Eier-Treppen-Picknick mit ihm. Danach zerrt man den nächsten Erwachsenen aus dem Raum… So kann man den ganzen Tag picknicken. Oster-Fazit: Bauch ist voll und alle Süßigkeitenvorräte wieder aufgefüllt. Morgen feier ich wieder Ostern!

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Schlaf gut

18:28

Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind, und unser kleines Leben ist von einem Schlaf umringt. Ich hänge gerne meinen Träumen nach.  So gerne, dass ich inzwischen schon sieben bis neuen Stunden am Stück schlummere. Ich bin nicht nur ein begnadeter Schläfer, sondern ein noch besserer Schnarcher. Das hab’ ich wohl von Papa geerbt. Zusammen nehmen wir Mami immer in die Zweifronten-Säge.  Aber sie soll sich nicht beschweren. Ich bin sogar ein so guter Schläfer, dass ich neuerdings als Schlafconsultant angeheuert werde. Regelmäßig bringe ich meine Schwester ins Bettchen, lege mich ein wenig neben sie, halte Händchen und singe eifrig bei den Schlafliedern mit.
Ich darf sogar länger aufbleiben und nach meinem Beratungsauftrag noch ein wenig mit Mami und Papa im Wohnzimmer liegen. 

Mein neuer “leading by passionate admirer”-Beratungsansatz wird übrigens in allen Lebenslagen gebucht. So zeigt mir Jule auf Aufforderung, wie toll sie unter anderem Zähne putzen, sich selbst anziehen, aufräumen und  Tisch decken  kann. Wie sie dabei von meinen Auftraggebern manipuliert wird, scheint ihr komplett zu entgehen. Aber mir soll es egal sein, der Kunde ist König und Milch stinkt nicht!

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Schiff ahoi

21:38

Mit vollen Segeln lief ich in das Meer des Lebens….und heute hatte ich meinen Stapellauf in die Badewanne. Um Mami gar nicht auf die Idee zu bringen zu der Franktion der Eimerbader rüberzuwechseln, bin ich in letzter Zeit soviel gewachsen, dass ich auch in der großen Badewanne überall anstoße und sie so zum Eimer relativiere. 

Mein Skipperpatent für Kübelwannen mit Entenbeiboot habe ich jetzt. Nun werde wohl weiter brav auf das Kapitänspatent hinarbeiten, um in zwei Monaten zusammen mit Bootsfrau Jule zum letzten großen Abenteuer aufzubrechen: der Beseglung der Erwachsenen-Badewanne.
Kapitän auf großer Fahrt Jaron Beinhauer, Logbucheintrag Ende.

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Nebenerwerbsquelle: Bruder

14:39

Da ist er also – mein Bruder. Ich muss sagen er gefällt mir so unverpackt besser als im Bauch von Mami. Ok, er kann noch nicht so viel außer schlafen und schreien. Meiner Empfehlung, dass Schnuller toll sind folgt er auch noch nicht so ganz. Aber ich werde trotzdem bei jeder Gelegenheit weiter daran arbeiten, ihn aktiv zu überzeugen. Kleine Brüder sind ja schon anstrengend, aber sie geben Dir ja so viel zurück, wenn sie dich auf deinem Arm aus ihren großen blauen Augen anschauen (ja, ich darf ihn schon ganz alleine halten – wenn Mami aufpasst).

Aber das Beste an ihnen ist: Sie fungieren als Nebenserwerbsquelle. Erst mal hat er sich gut eingeführt. Direkt in das Krankenhaus hat er mir einen Ernie mitgebracht. Kleine Geschenke erhalten ja bekanntlicherweise die Freundschaft. Ich habe ihm eine kleine second hand Giraffe aus meinem Tierlager überreicht. Als er nach Hause kam, hatte er die Regeln von Donna Jule bereits begriffen und einen großen Duplo Bauernhof dabei. Und zusätzlich erweisen mir alle Gratulanten die Ehre und ich räume Geschenke ab. Das ist fast besser als Geburtstag. Ich überlege ernsthaft, ob ich nicht professionell in das Brudergeschäft einsteigen will. Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann…

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Highnoon

16:04

Das ist sie also … meine Schwester … ich habe bereits viel von Ihr gehört bzw. gespürt, als ich noch in meiner Bauchwohnung wohnte. Bis zum letzten Schwangerschaftstag ist sie auf mir rumgehüpft und hat meine Mami als Lastesel missbraucht. Aber so live und in Farbe ihr gegenüberzustehen, war doch was anderes – zumal da viel Farbe war. Ich habe einen Schreck bekommen. Wollt ihr eine Schwester haben, die eine rote Nase, orangene Haut und einen schwarzen Haarpinsel hat?… ich war trotzdem erst mal höflich zu ihr und habe mich schlafend gestelltschließlich trügt manchmal der erste Eindruck. Sie hat mich immer lieb gestreichelt und sogar geküsst. Ich denke, wenn sie weiter so nett zu mir ist, dann können wir es gut zusammen aushalten…

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Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche

10:45

Pünktlich morgens um 6.00 Uhr startete ich meinen Versuch, aus meiner inzwischen zu engen Wohnung zu entkommen: Ein kleiner Tritt für mich, ein großer Platsch für die Fruchtblase. Dies löste irgendwie Hektik aus, deren schönes Wackeln ich für eine ausgedehnte Erholungspause nutzte – die die Hebamme dazu verleitete sich ein wenig Zeit zu lassen. Nachdem ich dann wieder aufgewacht bin, hatte ich es eilig. So eilig, dass es für Mami nicht mehr zur PDA reichte. Egal, sind wir Männer oder Mädchen?
Um 10:45 habe ich es geschafft: 51 cm und 3650 Gramm reine Energie erblicken das Licht der Welt – man, ist die grell…
Danach habe ich mich erst mal an Mami gekuschelt und ihre weiche Aussenseite genossen. Und danach habe ich erst mal direkt aus der Brust getrunken – wie ein Weltmeister, hat die Hebamme gesagt. Jetzt weiss ich aber nicht was ich mit meinem Leben anfangen will: Entweder ich werde Trinker oder Weltmeister oder ich folge meiner Zuneigung zu Brüsten und werde Playboy oder vielleicht alles zusammen …

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